WinRegatta-Historie

In der ersten Hälfte der 1980er Jahre gab es praktisch noch keine Software, mit der man Segelregatten auswerten konnte. Bei Klassenregatten war es kein so großes Problem. Es mussten nur pro Boot und Wettfahrt die Punkte addiert werden. Das Boot mit der geringsten Gesamtpunktzahl hatte gewonnen.

Bei Yardstick-Regatten war das schon komplizierter. Hier musste pro Boot und Wettfahrt die gesegelte Zeit mit dem Yardstick-Faktor des Bootes verrechnet werden. Das waren echte Rechenaufgaben. Wir verwendeten Taschenrechner, um dies zu erledigen. Aber es war zeitaufwendig und umständlich.

Mitte der 1980er Jahre kamen die ersten Personal Computer auf den Markt. Jetzt gab es neue Möglichkeiten. Mit der Programmiersprache BASIC begann ich ein erstes rudimentäres Programm zu erstellen.  Kurze Zeit später mit der Sprache Borland Pascal für das Betriebssystem MS DOS und schließlich in den 1990er Jahren mit Object Pascal und Delphi von Borland für die Windows-Betriebssysteme.

Die Anwendung wurde WinRegatta genannt, und es entstand eine erfreuliche Nachfrage bei den Segelclubs in Deutschland. Mit den Jahren wurde WinRegatta eine umfassende Anwendung für die Abwicklung von unterschiedlichen Segelregatten.

Das Interesse der Segelclubs an WinRegatta war sehr groß. Es wurden zwei unterschiedliche Versionen entwickelt. Eine Standardversion mit einem begrenzten Funktionsumfang für kleine bis mittelgroße Clubs und eine Plusversion mit erweiterten Funktionen für große und sehr große Clubs.

Der Funktionsumfang wurde mit den Jahren immer wieder erweitert. Die Erweiterungen resultierten aus Anregungen und  Vorschlägen von Segelclubs, die WinRegatta im Einsatz hatten. Für diese Vorschläge aus der Praxis war ich als Entwickler sehr dankbar.

Eine weitere Anforderung für Erweiterungen waren die Wettfahrtregeln Segeln (WR) der International Sailing Federation (ISAF), die alle vier Jahre jeweils nach den Olympischen Spielen mit einer neuen Aktualisierung freigegeben wurden. Hier wurden jeweils Änderungen und neue Regeln bekannt gegeben, die in WinRegatta implementiert werden mussten und zu einer neuen WinRegatta-Version führten.

Es gibt eine große Zahl unterschiedlicher Segelregatten je nach Art und Anzahl der teilnehmenden Boote. Dies bedeutet auch, dass die Ergebnisart einer Wettfahrt und die Wertungsart der Regatta unterschiedlich sein können.

Klassen-Regatten
Wenn Boote des gleichen Typs an einer Regatta teilnehmen, dann handelt es sich um eine Regatta mit Klassenwertung. Alle Boote haben theoretisch gleiche Segeleigenschaften. Die Boote werden gleichzeitig mit einem Startsignal gestartet, die Reihenfolge des Zieleinlaufs ergibt auch die Rangfolge des Ergebnisses der Wettfahrt.

Yardstick-Regatten
Hierbei handelt es sich um Boote mit unterschiedlichen Segeleigenschaften, die gegeneinander segeln. Die Reihenfolge des Zieleinlaufs kann also nicht als Wettfahrtergebnis genommen werden. Es muss die gesegelte Zeit pro Boot und Wettfahrt gemessen werden und mit dem Yardstick (Handicap-Faktor) des Bootes verrechnet werden. Die gesegelte Zeit kann als Startuhrzeit und Zieluhrzeit erfasst werden oder auch mit einer Stoppuhr gemessen und in WinRegatta eingegeben werden.

Individuelle Startzeit
Wenn größere Segelyachten auf einem engen Revier (z. B. Flussrevier) eine Regatta segeln, dann besteht oft keine Möglichkeit, eine entsprechend lange Startlinie auszulegen, um alle Yachten gleichzeitig zu starten. Hier war der Vorschlag von einigen Clubs, die individuelle Startzeit in WinRegatta zu implementieren. Hier kann eine Yacht in einem Startfenster, z. B. von 15 Minuten, seinen Startzeitpunkt selbst wählen. In WinRegatta wird die individuelle Start- und Zielzeit erfasst und die gesegelte Zeit der Yacht ermittelt.

Gruppenwertung
Bei großen Starterfeldern mit mehr als 80 Booten in einer Wertungsklasse wird es schwierig, einen fairen Start durchzuführen. Noch problematischer ist es, wenn das Revier in der Größe begrenzt ist und dadurch das Längenverhältnis von Startlinie und Startkreuz kritisch wird. Eine Gruppenwertung ist hier die empfohlene Lösung.

Bei einer Gruppenwertung werden die Boote in zwei oder auch mehr Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe bildet eine Startgruppe. Die Gruppen starten auf der gleichen Startlinie, z. B. im Fünfminutenabstand. Die Segler der jeweiligen Gruppe segeln gegeneinander. Es wird aber nur eine Ergebnisliste über alle Gruppen hinweg erstellt.

In WinRegatta Plus ist eine sehr komfortable Lösung der Gruppenwertung implementiert, die alle üblichen Varianten dieser Wertungsart beinhaltet.

MO-F Wertung
Diese Meisterschaftsordnung für olympisches Format (MO-F) wurde 2006 für olympische Klassen eingeführt.
Meisterschaften der olympischen Klassen werden nach dem MO-Format gewertet. Es werden mindestens vier Wettfahrten als Qualifikationswettfahrten gesegelt.
Die 10 punktbesten Boote nach den Qualifikationswettfahrten segeln dann eine Finalwettfahrt. Die restlichen Boote (ab Rang 11) segeln ein Flottenfinale. Die Finalwettfahrt sollte möglichst in der Nähe des Publikums stattfinden, um für die Zuschauer attraktiver zu sein.
Bei großen Starterfeldern können die Qualifikationswettfahrten und das Flottenfinale auch als Gruppenwertung durchgeführt werden.

ORC-Club-System für Hochsee-Regatten
Wenn sehr unterschiedlichen Yachten gegeneinander segeln, dann ist das Offshore Racing Congress (ORC) Wertungssystem die beste Wahl.
WinRegatta unterstützt zwei unterschiedliche ORC-Wertungssysteme:
o Das ORC-Club-Zeit/Zeit-System, das einen individuellen Faktor pro Yacht zur Wertung verwendet.
o Und das ORC-Club-Zeit/Distanz-System, das drei individuelle Faktoren pro Yacht verwendet und damit einen wissenschaftlich-höherwertigen Anspruch erfüllt.

Welche wichtigen Regatten wurden mit WinRegatta gewertet?
Mit WinRegatta wurden viele große und wichtige Regatten gewertet – wie z. B.
o Nationale und internationale Meisterschaften unterschiedlicher Bootsklassen.
o Europa- und Weltmeisterschaften verschiedener olympischer Klassen.
o WinRegatta war über viele Jahre das Wertungssystem der Warnemünder Woche.
Die Warnmünder Woche ist die drittgrößte Regattaveranstaltung in Deutschland. Auf fünf Regattabahnen nehmen etwa 2000 Segler aus bis zu 40 Nationen teil.

Die WinRegatta-Anwender
260 Segelclubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben die Lizenz von WinRegatta erworben. Dazu gehören kleine, mittlere und sehr große Clubs.
Das Wichtige: Die Zufriedenheit der Anwender mit WinRegatta war immer sehr hoch, vor allem mit dem großen Funktionsumfang und mit der hervorragenden Bedienerfreundlichkeit.